Wieso ist es für Unternehmen wichtig, auf Kostenverläufe zu schauen?

Fixe Kosten entstehen bereits durch die Existenz des Unternehmens und die Aufrechterhaltung der Betriebsbereitschaft, unabhängig davon, ob produziert wird oder nicht. Sie zeigen bei jeder Beschäftigung einen konstanten Verlauf, z. B. Mietkosten, fixe Löhne und Gehälter.

Verlauf von Fixkosten

In Produktionsprozessen bei Industrieunternehmen wird zu einem großen Teil der Verbrauch an Einsatzgütern, durch die Ausbringungsmenge bestimmt. Die Einsatzgüter stellen dabei die variablen Kosten dar. Einsatzgüter (Produktionsfaktoren) sind materielle und immaterielle Güter, wie beispielsweise menschliche Arbeit (führt zu Personalkosten) und Werkstoffe (führt zu Materialkosten). Folglich werden Einsatzgüter im Wertschöpfungsprozess verbraucht.[1]

Berechnung der Gesamtkosten

Die Höhe der Gesamtkosten wird von der Ausbringungsmenge x (auch als Beschäftigung bezeichnet) und den Kosten beeinflusst. Die Gesamtkosten stellen die Summe aller Kosten dar, die bei der Herstellung einer bestimmten Anzahl von Mengeneinheiten entstehen. Vereinfacht beinhalten die Gesamtkosten die variablen Kosten und die Fixkosten.

Die folgende Kostenfunktion gilt für die Gesamtkosten K(x):

K(x) = Kf + kv mal x

Kf: fixe Kosten

kv: variable Kosten pro Stück

x: Ausbringungsmenge (Beschäftigung)

Verkauf der Gesamtkosten K(x)

Quelle: Reim (2019), S. 152.

Ein linearer Gesamtkostenverlauf weist eine konstante Steigung aus, die mit den variablen Kosten pro Stück übereinstimmt.

Die Abbildung zeigt, dass in Industrieunternehmen

  • die fixen Kosten unabhängig von der Ausbringungsmenge konstant bleiben und daher parallel zur x-Achse verlaufen.
  • die variablen Kosten in Abhängigkeit von der Ausbringungsmenge bis zur Kapazitätsgrenze steigen.
  • die Gesamtkosten sich durch Parallelverschiebung der variablen Kosten auf den Fixkostenblock ergeben.

Stückkosten

Die fixen Kosten bleiben unabhängig von der Beschäftigung konstant und führen zu einem degressiven Stückkostenverlauf. Dies verdeutlicht die Formel zur Berechnung der durchschnittlichen Stückkosten k:

Berechnung der Stückkosten

Stückkosten: k

Die Formel zeigt, dass die Stückkosten als Summe aus variablen und fixen Kosten in Abhängigkeit von der Ausbringungsmenge mit größeren Stückzahlen sinken.[2] Die Berechnung der Stückkosten ist eine Aufgabe der Kostenträgerrechnung innerhalb einer Kostenrechnung.

Was sind eigentlich Grenzkosten, und warum ist es wichtig, diese zu kennen?

Durch die Produktion einer zusätzlichen Mengeneinheit fällt ein Kostenzuwachs bei den Gesamtkosten an – dieser Umstand wird als Grenzkosten bezeichnet.

Solange die Grenzkosten für die Produktion einer jeweils weiteren Einheit geringer sind als die Grenzerlöse, bringt die Herstellungserhöhung für das Unternehmen einen Gewinn. Die Produktionsmenge, die dem Unternehmen den größtmöglichen Gewinn erwirtschaftet, ist erreicht, wenn die Grenzkosten den Grenzerlösen entsprechen.[3] Hier liegt das Gewinnmaximum für das produzierende Unternehmen.

Wie kommt es zum Fixkostendegressionseffekt?

Durch die Verteilung der Fixkosten nach dem Durchschnittskostenprinzip auf die Ausbringungsmenge errechnen sich die fixen Kosten je Mengeneinheit oder Stück. Mit zunehmender Ausbringungsmenge sinken die fixen Kosten je Stück, da sie sich auf eine größere Stückzahl verteilen.[4]

Die Auswirkung der Ausbringungsmenge auf die fixen Kosten je Stück wird als Fixkostendegressionseffekt bezeichnet. Eine volle Auslastung der Kapazität führt damit zu den niedrigsten fixen Kosten pro Stück.

Degression der Fixkosten

Quelle: Reim (2019), S. 150.

Die fixen Kosten je erzeugter Mengeneinheit sinken bei steigender Ausbringungsmenge

Das Gesetz der Massenproduktion besagt: Je höher die Kapazitätsauslastung und die Ausbringungsmenge bei der Herstellung ist, desto geringer werden die fixen Kosten pro Stück und umso geringer werden die gesamten Stückkosten. Beispielsweise werden Verbrauchsgüter, wie Kaugummi und Schrauben als Massenprodukte unter dem Gesetz der Massenproduktion hergestellt.[5]

Nutzkosten und Leerkosten

Die Differenzierung der Fixkosten in Nutz- und Leerkosten leitet sich unmittelbar aus der Kapazität, d.h. dem Leistungsvorrat eines Potenzialgutes, z. B. einer Maschine, ab. Dieser Leistungsvorrat ist nicht beliebig teilbar und kann daher nicht an die aktuelle Beschäftigung angepasst werden.

Es entstehen daher

  • Nutzkosten KN als die fixen Kosten der genutzten Kapazität,
  • Leerkosten KL als die fixen Kosten der ungenutzten Kapazität.[6]

Die Ermittlung von Nutz- und Leerkosten ist wie folgt möglich:

Nutzkosten und Leerkosten

Beispiel:

Es seien x1 = 800 Stück, x2= 600 Stück und Kf = 1.000 Euro.

Die Abbildung zeigt die Abhängigkeit der Nutzkosten von der Auslastung der Güter in einer Kostenstelle. Die im Nullpunkt beginnende Diagonale zeigt, dass mit zunehmender Beschäftigung, hier mit steigender Stückzahl auf der x-Achse, die Nutz- kosten auf der y-Achse steigen. Im Beispiel führt eine Ist-Beschäftigung von 600 Stück zu Nutzkosten von 750 € und Leerkosten von 250 €, d. h. 75 % der Fixkosten sind Nutzkosten und 25 % sind Leerkosten.

Arithmetisch ergibt sich durch Einsetzen der Angaben die folgende Rechnung:

  • der Beschäftigungsgrad (BG), zeigt die Auslastung der Kapazität

BG = 600 Stück / 800 Stück * 100 % = 75 %

  • die Kostenstelle ist zu 75 % ausgelastet und verfügt über 25 % freie Kapazität.
  • der Nutzkosten-Anteil = 1.000 € * 0,75 = 750 €
  • der Leerkosten-Anteil = 1.000 € * (1 – 0,75) = 250 €

Zusammenhang von Beschäftigungsgrad, Nutz- und Leerkosten

Je höher der Beschäftigungsgrad, umso höher sind die Nutzkosten und umso geringer sind die Leerkosten und umgekehrt. Ein hoher Beschäftigungsgrad ist vor allem in Unternehmen mit hohem Fixkostenanteil von Bedeutung, wie z. B. in der Telekommunikationsindustrie und Chipindustrie.

In Branchen mit hohen Fixkosten ist der Wettbewerb um Marktanteile und der Preisdruck oftmals höher als in Branchen mit geringeren Fixkosten, wie z.B. Dienstleitungen.[7]

Leerkosten sind vor allem aus produktionstechnischen, absatzmarktbestimmten und fertigungsprogrammbedingten Gründen kaum zu vermeiden.

Quellen und Literaturempfehlung zu Kosten-Begriffen


[1] Vgl. Reim (2019), S. 6; 152.

[2] Vgl. Reim (2019), S. 153.

[3][3] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung. (2016b), Onlinequelle.

[4] Vgl. Reim (2019), S. 150, zitiert nach Freidank 2012, S. 40 f.

[5] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung. (2016), Onlinequelle.

[6] Vgl. Reim (2019), S. 148, zitiert nach Steger (2010), S. 123.

[7] Vgl. Seppelfricke (2012), S. 263.