Das Magische Viereck beschreibt die Ziele zur Wahrung des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts einer Volkswirtschaft und ist auch in der deutschen Gesetzgebung definiert. Um Fehlentwicklungen frühzeitig vorzubeugen, soll die Aufmerksamkeit vom Staat, den Sozialpartnern und der Notenbank ständig auf den Zielen des magischen Vierecks gerichtet sein.

Das magische Viereck und seine volkswirtschaftlichen Ziele

Im magischen Viereck sind vier volkswirtschaftliche Ziele zusammengefasst:(1)

  • Ein hoher Beschäftigungsgrad wird mit Vollbeschäftigung und mit einer geringen Arbeitslosenquote verbunden.
  • Außenwirtschaftliches Gleichgewicht bedeutet, dass zwischen dem Import und dem Export von Waren und Dienstleistungen kein Unterschied besteht.
  • Die Stabilität des Preisniveaus wird mit einer möglichst niedrigen Inflationsrate (=Kennzahl, die die Stärke der Inflation angibt) erreicht.
  • Das Wirtschaftswachstum bezeichnet auch das Wachstum des allgemeinen Wohlstandes im Land. Es wird gemessen an der Zunahme einer Sozialproduktgröße zum Beispiel am Bruttoinlandsprodukt oder am Pro-Kopf-Einkommen eines Staates.
Das Magische Viereck der Wirtschaftspolitik

Zielbeziehungen im magischen Viereck

Zielharmonie beschreibt einen Prozess, bei dem die Erreichung des einen Ziels das Erreichen des anderen Ziels unterstützt.

Im magischen Viereck ist zwischen den beiden Zielen Wirtschaftswachstum und dem hohen Beschäftigungsgrad eine Zielharmonie zu beobachten. Im Falle von Wirtschaftswachstum steigt auch die Beschäftigung, weil mehr Menschen arbeiten oder Arbeiter neu eingestellt werden müssen, um die Nachfrage nach Gütern oder Dienstleistungen zu bewältigen.

Zielkonflikte können durch konkurrierende Ziele entstehen. Es ist unmöglich, alle vier Ziele des magischen Vierecks zu erreichen, weil manche Ziele miteinander konkurrieren. Die Realisierung eines Zieles erschwert die Umsetzung des anderen Zieles. Es kann sogar passieren, dass das Erreichen des eines Zieles das Erreichen des anderen Zieles unmöglich macht.

Ein Beispiel für einen Zielkonflikt im magischen Viereck zeigt sich zwischen den Zielen Preisniveaustabilität und Wirtschaftswachstum.  Die Nachfrage steigt durch die Wachstumsphase einer Volkswirtschaft an, womit sich auch die Inflationsrate erhöht. Dank des Wirtschaftswachstums steigen auch die Preise, weil die Kapazitäten knapper werden und die Unternehmen um Produktionsfaktoren konkurrieren. (2)

Das magische Viereck in Deutschland

Mit dem Corona-Virus ist die wirtschaftspolitische Zielerreichung in Deutschland aus dem Tritt geraten:

In den Jahren 2015 bis 2019 lag die Inflationsrate in Deutschland zwischen 0,5% und 1,8% und damit innerhalb des Zielkorridors zur Sicherung der Preisstabilität. Mit einer Inflationsrate von rund 5% Ende 2021 bzw. Anfang 2022 ist dagegen die Preisstabilität gefährdet.

Das Ziel der Vollbeschäftigung wird dagegen seit Jahren verfehlt. So beträgt die Arbeitslosenquote in den letzten Jahren stets mehr als 5%.

Schwierig lässt sich auch die Frage beantworten, ob das erreichte Wirtschaftswachstum angemessen sei. Es betrug von 2015 bis 2019 zwischen 0,6% und 2,5% im Vergleich zum Vorjahr. Aufgrund der Pandemie ist die Wirtschaft dagegen im Jahr 2020 geschrumpft.

Auch das außenwirtschaftliche Gleichgewicht ist nicht gewährleistet. Allerdings erzielt Deutschland regelmäßig einen Außenhandelsüberschuss von 250 Milliarden Euro pro Jahr. Das zeigt, wie exportabhängig die deutsche Wirtschaft ist.

Ausgeglichener Staatshaushalt

Ein ausgeglichener Staatshaushalt entsteht dann, wenn ein Haushalt nicht mehr ausgibt, als er einnimmt. Die Staatsregierung vertritt die Ansicht, dass ein Haushalt erst dann ausgeglichen ist, wenn der Staat keine Schulden mehr begehen muss.

Im Maastrichter-Vertrag gelten die Regelungen, dass EU-Länder und Kandidaten

  1. eine jährliche Neuverschuldung von höchsten 3 % begehen dürfen.
  2. die Gesamtverschuldung höchstens 60 % des Bruttoinlandsprodukts betragen darf.(3)

Konsolidierung der öffentlichen Haushalte

Haushaltskonsolidierung definiert den Schuldenabbau der öffentlichen Haushalte. Es gibt grundsätzlich drei Wege zur Konsolidierung, um Staatsschulden abzubauen:

  • Einnahmen erhöhen (z. B. durch Erhöhen der Steuern)
  • Ausgaben verringern (z. B. durch Kürzungen der Sozialleistungen)
  • Umschuldungen

Tatsächlich versuchen Staaten, mit diesen Möglichkeiten Schuldentilgungen und Kreditaufnahmen so zu gestalten, dass die öffentlichen Schulden verringert oder stabilisiert werden. Dabei gehört zur Haushaltkonsolidierung auch, dass keine neuen Schulden mehr entstehen dürfen. Zudem gilt: falls Staaten sich nicht an die 3 % Neuverschuldungsregel des Maastrichter Vertrages halten, wird ein Defizitverfahren gegen dieses Land durchgeführt. Dann empfiehlt der Rat der Finanzminister den betroffenen Mitgliedsstaaten Gegenmaßnahmen. Letztlich muss das Land während des Verfahrens einen Plan vorlegen, wie es die empfohlenen Maßnahmen umsetzen und seinen Haushalt konsolidieren will. (4)

Zusammenhang zwischen dem Magischen Viereck und der Haushaltkonsolidierung

Das magische Viereck und die Haushaltskonsolidierung ergänzen sich. Wenn ein Staat die vier magischen Ziele – Preisstabilität, Wirtschaftswachstum, hoher Beschäftigungsgrad und außenwirtschaftliches Gleichgewicht – verfolgt, kommt es auch zur Verringerung der öffentlichen Schulden und somit zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. 

Quellen zum Text: Das Magische Viereck

Der Text zum magischen Viereck ist maßgeblich von Semiha Halici erstellt.

(1) https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/20711/stabilitaetsgesetz

(2) https://studyflix.de/wirtschaft/magisches-viereck-897

(3) https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-europalexikon/177346/vertrag-von-maastricht

(4) https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-europalexikon/176775/defizitverfahren#:~:text=Das%20zentrale%20Konvergenzkriterium%20f%C3%BCr%20alle,%25%20des%20Bruttoinlandsprodukts%20(BIP)[SH1]