Warum bestimmt der Zins die Investition?

Grundlage der Investitionsfunktion bildet die neoklassische Theorie, die besagt, dass der Zins die Höhe der Investitionen bestimmt. Zum einen kann der Zins die Investitionsneigung beeinflussen: Unternehmen benötigen ein gewisses Kapital als notwendiges Finanzierungsmittel, um Investitionen zu tätigen. Dieses Kapital fragen sie bei einem bestimmten Zinssatz nach. Wenn der Zins steigt, sind Unternehmen tendenziell dazu geneigt, weniger zu investieren.

Die Nachfrage nach Kapital ist eine abnehmende Funktion des Zinssatzes, weil der Zins die Investitionsbereitschaft beeinflusst. Das Kapitalangebot hingegen ist eine steigende Funktion des Zinses. Einem hohen Zinssatz steht ein geringes Kapitalangebot gegenüber. Somit begrenzt der hohe Zins die Investitionsmöglichkeiten der Unternehmen und führt die Investitionen auf ein volkswirtschaftlich mögliches Maß zurück.[1]

Quelle: Werner/Schäfer (2018), Onlinequelle.

I = Investition

i = Zinssatz (Marktzinssatz)

Die Lage dieser Kurve im i/I-Diagramm ist stark von der subjektiven Gewinnerwartung der Unternehmen abhängig.

Bei sinkendem Zinssatz (i) werden mehr Investitionen rentabel.

Wie entsteht die Investitionsfunktion?

Die Investitionsfunktion ist ein Bestandteil traditioneller makroökonomischer Totalmodelle.

Mittels der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals lässt sich eine gesamtwirtschaftliche Investitionsfunktion entwickeln. Die Investitionsfunktion ist in negativer Weise abhängig vom Marktzinssatz und in positiver Weise von der subjektiven Gewinnerwartung der Unternehmen. Das Konzept der Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals erklärt die Zinsabhängigkeit von Investitionen.

Investitionen führen bestenfalls im Zeitverlauf zu Nettoerlösen. Eine Investition besitzt einen Kapitalwert. Der Kapitalwert bildet sich aus den erwarteten Erlösen, abgezinst mit dem Zinssatz im Entscheidungszeitpunkt der Investitionsdurchführung.[2] 

Die Investitionsnachfragefunktion lautet:[3]

I = I (i)

Die Höhe der Investitionsnachfrage hängt von der Höhe des Zinssatzes ab. Ein steigender Zinssatz führt zu einem Rückgang der Investitionsnachfrage.

Umgekehrt führt eine Verringerung des Zinssatzes zu einem Anstieg der Investitionsnachfrage.[4]

Effekte bei Investitionen auf Basis der Investitionsfunktion

Investitionen sind wichtig. Sie sind zum einen Teil der gesamtwirtschaftlichen Güternachfrage. Zum anderen führt eine Erhöhung der Investitionen zu einer Zunahme von Inlandsprodukt und Volkseinkommen. Dies wird als Einkommenseffekt der Investition bezeichnet.[5]

Volkseinkommen

Das Volkseinkommen wird als Summe aller von Inländer erzielter Erwerbs- und Vermögenseinkommen, wie beispielsweise Löhne, Gehälter, Mieten, Zinsen und Unternehmensgewinne innerhalb eines Zeitraumes (z.B. ein Jahr) bezeichnet.[6]

Das Volkseinkommen macht 75% des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Die Höhe und Entwicklung des Volkseinkommens werden durch das Wirtschaftswachstum sichergestellt. Das Wirtschaftswachstum wiederum wird bestimmt durch die Anzahl der Bevölkerung und der Produktivität.[7]

Die Variable Y stellt das Einkommen in der volkswirtschaftlichen Berechnung dar.

Das Volkseinkommen wird auch zur Berechnung der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung genutzt. Weiteres unter:

IS-Kurve

Die IS-Kurve stellt alle Kombinationen von Volkseinkommen und Zinssätzen dar, die auf dem Gütermarkt für ein Gleichgewicht sorgen.[8]

Die IS-Kurve wird oftmals auch als IS-Funktion oder IS-Gleichung bezeichnet.

Quelle: Perret/Welfens (2019), S. 232.

r = Zins (= Preis von Kapital)

Y = gesamtwirtschaftliches Einkommen (BIP)

S = Ersparnis (bei geschlossener Volkswirtschaft: I = S)

Grafisch lässt sich die IS-Kurve aus der Investitions- und Sparfunktion herleiten.

Dies bedeutet, dass die IS-Kurve einen der beiden idealtypischen Verläufe aufweist. Die Form der IS-Kurve ist dabei von der Form der Investitionsfunktion abhängig und kann die Ausprägungen, die in der Abbildung dargestellt sind, annehmen. [9]

Herleitung des IS-Gleichgewichts

Um die Formel der IS-Kurve zu verstehen, wird ein einfaches Modell der Nachfrageseite einer geschlossenen Wirtschaft, ohne Steuern und ohne Staatsaufgaben, verwendet.

Die Nachfrage, Produktion und das Einkommen der Wirtschaft, Y, sind im Gütermarktgleichgewicht gegeben.

Y = C + I (Y = Einkommen; C = Konsum; I = Investition)

Parallel kann das erwirtschaftete Volkseinkommen Y entweder konsumiert C oder gespart (S = Sparen) werden. 

Es gilt daher: Y = C + S

Diese beiden Gleichungen werden gleichgesetzt:

C + I = C + S        also                 I = S

Das Gleichgewicht im Gütermarkt ist identisch zu dem Sparen und den Investitionen. Dadurch, dass die Haushalte sparen, sinkt die Produktion dementsprechend.[10]

Die IS-Kurve beschreibt den Ort aller Kombinationen von Y (Einkommen) und r (Zins), bei denen sich der Gütermarkt im Gleichgewicht befindet.[11]

Quellen und Literaturempfehlung zur Investitionsfunktion


[1] Vgl. Krelle, (o.J.), S. 339 f.

[2] Vgl. Werner/Schäfer (2018), Onlinequelle.

[3] Vgl. Petersen (2022), S. 43; Welfens (2008), S. 223.

[4] Vgl. Petersen (2022), S. 43.

[5] Vgl. Petersen (2022), S. 41.

[6] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (2016), Onlinequelle.

[7] Vgl. Klitzsch (2019), S. 495.

[8] Vgl. Petersen (2022), S. 199.

[9] Vgl. Perret/Welfens (2019), S. 231.

[10] Vgl. Prante et al. (2022) Onlinequelle.

[11] Vgl. Perret/Welfens (2019), S. 231.