Die Europäische Zentralbank (EZB) ist das Spitzeninstitut der Wirtschafts- und Währungsunion und ist seit dem 1. Januar 1999 für die Geldpolitik der Eurozone zuständig. Die Europäische Zentralbank und die nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedstaaten bilden das Europäische System der Zentralbanken (ESZB). Das Hauptziel des ESZB ist die Gewährleistung der Preisstabilität.

Betrachten Sie zunächst die Entstehungsgeschichte der Europäischen Zentralbank, bevor Sie anschließend den  Aufbau des ESZB und die Aufgabe der EZB kennenlernen. [7]

Den Weg zum Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) entdecken

Der Gedanke, in Europa eine Wirtschafts- und Währungsunion zu errichten, reicht bis zu den Anfängen der Fünfzigerjahre des letzten Jahrhunderts zurück, als einige Politiker die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) gründeten. Daraufhin folgte im Jahr 1958 die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) sowie der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom). Die interkontinentalen Beziehungen gewannen über die Jahre immer mehr an Bedeutung und endeten schließlich in der Verabschiedung des Vertrags von Maastricht 1993 zur Bildung der Europäischen Union (EU). Dieses Bündnis besteht inzwischen aus 27 Mitgliedsstaaten .

Entwicklung der WWU in Europa

Die Entwicklung der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU) vollzog sich in Europa in drei Stufen.

Stufe 1: 1990 – 1993 Europäischer Binnenmarkt

Zunächst musste ein europäischer Binnenmarkt geschaffen werden, der einen freien Personen, Waren-, Kapital-, und Dienstleistungsverkehr innerhalb der EU ermöglicht.

Stufe 2: 1994 – 1998 Europäisches Währungsinstitut

Anschließend ist das Europäische Währungsinstitut eröffnet worden. Aufgabe des Instituts war es, die Zusammenarbeit zwischen Zentralbanken verschiedener Länder zu stärken, deren Geldpolitik enger zu koordinieren und die Einrichtung des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) zur Umsetzung einer einheitlichen Währungspolitik und der Einführung einer einheitlichen Währung vorzubereiten.

Stufe 3: 1999 – heute Europäische Zentralbank und Währung Euro

Am 1. Januar 1999 startete letztendlich die dritte Phase, die Wechselkurse wurden festgelegt, die geldpolitische Verantwortung auf die Europäische Zentralbank übertragen und der Euro als gemeinsame Währung eingeführt. In den teilnehmenden Ländern ersetzten Euro-Banknoten und -Münzen am 1. Januar 2002 die nationalen Zahlungsmittel. [5, S.4-6] Beispielsweise wurde in Deutschland die Deutsche Mark durch den Euro abgelöst.

Die Europäische Zentralbank ist bis heute für die Währungspolitik der Mitgliedsstaaten verantwortlich, weshalb wir uns nun ergänzend den eigentlichen Aufbau des ESZB näher anschauen.

Aufbau des ESZB und Organisation der EZB

Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) wurde gemäß dem Vertrag von Maastricht errichtet. Dem ESZB gehören die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Zentralbanken aller EU-Mitgliedsstaaten an. Der Aufbau des ESZB folgt damit ebenfalls dem Föderalismus-Gedanken.

Neben dem ESZB wird das Eurosystem unterschieden, da bis dato nicht alle Mitgliedsstaaten den Euro als Währung eingeführt haben. Das Eurosystem besteht aus der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken der Mitgliedsstaaten, die den Euro als Währung eingeführt haben.

Die eigentlichen Beschlussorgane der Europäischen Zentralbank sind der EZB-Rat, das EZB-Direktorium und der Erweiterte Rat. [5, S.12f]

Beschlussorgane der Europäischen Zentralbank EZB

Nachstehend werden die Aufgaben der EZB, denen sich die obig genannten Beschlussorgane widmen, näher betrachtet.

Welche Aufgabe hat die EZB?

Die Hauptaufgabe der Europäischen Zentralbank besteht darin, die Preisstabilität in der Eurozone zu gewährleisten. Dazu hat sie sich zum Ziel gesetzt, die Inflationsrate bei etwa 2 % zu halten. Inflation beschreibt einen Anstieg des Preisniveaus eines definierten Wirtschaftsraumes. Steigt die Inflationsrate überproportional, handelt es sich um Hyperinflation. Die Hyperinflation ist für das Wirtschaftswachstum ebenso schädlich wie eine Deflation. Deflation ist das Gegenteil von Inflation: Das Angebot übersteigt die Nachfrage auf dem Markt, was zu einem Rückgang des Preisniveaus führt.

Über viele Jahre hinweg war in Deutschland eine Inflation unter 2% zu beobachten. Erst mir der Pandemie ist im Jahr 2021 die Inflation stark gestiegen und beträgt Anfang 2022 rund 5%. Allerdings sind sich Finanzexperten nicht einig, ob es sich dabei um einen vorübergehenden Anstieg der Preise oder um eine dauerhafte Verletzung der Preisstabilität handelt.

Darüber hinaus hat die Europäische Zentralbank in den letzten Jahren verschiedene weitere Aufgaben übernommen. Sie ist die einzige Institution, die die nationalen Zentralbanken ermächtigen kann, neue Banknoten zu drucken. Zudem führt die EZB bei nicht zufriedenstellender Entwicklung des Euro gegenüber anderen Währungen auch Währungstransaktionen durch.

Politische Unabhängigkeit der EZB – Artikel 107 EU-Vertrag

Seit dem Jahr 1999 hält die Europäische Zentralbank (EZB) zudem die Währungsreserven der nationalen Zentralbanken, um im Bedarfsfall über genügend Liquidität für Devisengeschäfte zu verfügen. [7]

Die wichtigsten geldpolitischen Instrumente der EZB 

Das wichtigste Ziel der Geldpolitik besteht in der Gewährleistung der Preisstabilität. Um dieses Ziel dauerhaft zu erreichen, verfügt die EZB über geldpolitische Instrumente zur Beeinflussung der Liquidität.

Offenmarktpolitik der EZB

Die Offenmarktpolitik umfasst den Handel von kurz- oder langlaufenden Wertpapieren durch die Zentralbanken am Geld- und Kapitalmarkt. Dabei handelt es sich bei diesen Wertpapiere beispielsweise um Staats- oder Bankanleihen.

Kritik an der Offenmarktpolitik der EZB

Die Offenmarktgeschäfte der EZB haben für große Kritik gesorgt, da es in der EZB eigentlich nicht erlaubt ist, einzelne Staaten zu unterstützen. Aufgrund der europäischen Schuldenkrise hat die EZB die Offenmarktgeschäfte zur Stabilität des Euroraumes allerdings als notwendig erachtet. Dadurch kann die EZB schwächelnde Staaten, wie z.B. Griechenland, finanziell unterstützen.

Die Offenmarktgeschäfte üben einen direkten Einfluss auf die Geldmenge und die Kosten für Kredite aus. Sobald Wertpapiere durch eine Zentralbank erworben werden, vergrößert sich die verfügbare Geldmenge im Bankensektor. Damit steht mehr Geld für die Kreditvergabe mit sinkenden Zinsen zur Verfügung. Andererseits: ein Verkauf von Wertpapieren seitens der EZB verringert im Umkehrschluss die Geldmenge, wodurch sich die Kredite wieder verteuern. [2]

Zinspolitik

Zinsen sind für Kreditnehmer zunächst unvermeidbare Kosten. Über die Veränderung der Zinssätze kann die EZB indirekt die Nachfrage nach Investitionskrediten der Unternehmen und nach Konsumkrediten der Haushalte beeinflussen.

Hierzu variiert die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins. Der Leitzins wird bei Krediten von der EZB an nationale Zentralbanken fällig. Diese anfallenden Kosten geben die Zentralbanken an die Hausbanken weiter, weshalb ein steigender Leitzins auch zu steigenden Zinsen bei Investitions- und Konsumkrediten führt. [3]

Derzeit verfolgt die EZB eine Niedrigzinspolitik, wodurch Kredite (extrem) günstig abgeschlossen werden können. Damit soll die Konjunktur weiter hochgehalten werden. Kritiker werfen der EZB vor, so auf Dauer das Ziel der Preisstabilität aus den Augen zu verlieren. Wenn zu viel billiges Geld im Markt ist, besteht die Gefahr, dass der Markt überhitzt und sogenannte Blasen entstehen. So sind beispielsweise viele Aktien trotz der Corona-Krise in den Jahren 2020 und 2021 wertvoller geworden. Als Begründung für diese Entwicklung wird genannt, dass das viele preiswerte Geld ja irgendwie angelegt werden müsse. Somit werden börsennotierte Unternehmen wertvoller, ohne dass es dafür einen substanziellen Grund gibt, d.h. die Unternehmen erwirtschaften z.B. gar nicht mehr Gewinn. Viele erwarten deshalb einen großen Börsencrash, d.h. einen dramtischen Sturz der Aktienkurse, bei dem Anleger viel Geld verlieren werden.

Mindestreservepolitik

Als Mindestreserve ist der prozentuale Anteil von Kundeneinlagen, die von Geschäftsbanken bei der Zentralbank als zinsloses Guthaben hinterlegt werden müssen, zu verstehen. Je höher der Mindestreservesatz, desto weniger Geld haben Geschäftsbanken zur Kreditvergabe zur Verfügung. Derzeit liegt der aktuelle Mindestreservesatz seit dem 18.01.2012 bei 1 %. [4]

Letztlich übt die EZB durch die Mindestreservepolitik direkten Einfluss auf die Liquidität der Banken aus und variiert somit die verfügbare Geldmenge. [1]

Die Währungsreserven sind in US-Dollar, japanischen Yen, chinesischen Renminbi sowie Gold angelegt. Die Zusammensetzung der Anteile ist dynamisch und abhängig vom entsprechenden Marktwert zum Betrachtungszeitpunkt. Je nach Marktentwicklung führt die EZB Devisengeschäfte durch, um die Währungsschwankungen auszugleichen. [6]

Quiz zur Europäischen Zentralbank

Zur Beantwortung der Fragen dieses Quizzes sollten neben dem Thema dieser Seite auch die untergeordneten Themen Geldpolitik der EZB und Organe der EZB aufmerksam gelesen werden!

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EZB-Quiz

Überprüfen Sie Ihr Wissen zu dem Thema in unserem Quiz! Als richtig zählen nur Fragen, in denen alle richtigen Antworten und keine falschen Antworten markiert wurden. Es sind in jeder Frage eine oder mehrere Antworten möglich. Viel Spaß!

1. Welche Beschlussorgane besitzt die Europäische Zentralbank?

2. Aus welchen beiden Analysen setzt sich die Zwei-Säulen-Strategie der EZB zusammen?

3. Welche Aufgabe(n) hat die Europäischen Zentralbank?

4. Welche geldpolitischen Instrumente besitzt die EZB?

5. Welche Aussagen zu den Beschlussorganen der Europäischen Zentralbank sind korrekt?

6. Welche Institutionen gehören zum europäischen System der Zentralbanken (ESZB)?

Prozentzahl richtiger Antworten:

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Quellenhinweise zur Europäischen Zentralbank

[1] https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/20119/mindestreservepolitik

[2] https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirt-schaft/20276/offenmarktpolitik.

[3] https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/21275/zinspolitik.

[4] https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/geldpolitik/mindestreserven/mindestreserven-602268.

[5] Europäische Zentralbank (2009): Die Europäische Zentralbank – Das Eurosystem – Das Europäische System der Zentralbanken. Frankfurt am Main: Imprimerie Centrale s.a., Luxemburg

[6] https://www.ecb.europa.eu/ecb/tasks/reserves/html/index.de.html.

[7] https://www.finanzfluss.de/blog/ezb/.

[8] https://www.europarl.europa.eu/factsheets/de/sheet/13/die-europaische-zentralbank-ezb-.