In der Volkswirtschaftslehre beschreibt der vollkommene Markt ein Modell, das zur Analyse der Zusammenhänge zwischen Angebot und Nachfrage am Markt dient. Ein Markt ist hierbei als Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage zu verstehen, wodurch der Ein- und Verkauf von Gütern und Dienstleistungen ermöglicht wird. Wesentliches Merkmal dieser Marktwirtschaft ist die dezentrale Planung und Lenkung der wirtschaftlichen Prozesse. Die Aufgabe der Koordination wird vom Preismechanismus, also der Wechselwirkung zwischen Angebot und Nachfrage, übernommen. Um zu verstehen wie die Preisbildung auf dem vollkommenen Markt funktioniert, schauen wir uns zunächst die verschiedenen Marktformen an.

Was wird unter Marktformen überhaupt verstanden?

Die Struktur eines Marktes wird durch die Marktformen bestimmt. Die häufigste Einteilung erfolgt über die Zahl der Anbieter und Nachfrager mit dem Marktformenschema nach Heinrich von Stackelberg. Darin wird zwischen Polypol, Oligopol und Monopol  unterschieden.

Grundsätzlich lassen sich in der Volkswirtschaftslehre die Märkte gemäß der folgenden fünf Arten unterscheiden:

  • Anzahl der Marktteilnehmer (Marktformenschema)
  • Anbieterzahl und Produktbeschaffenheit
  • Verhaltensweisen
  • Wettbewerbsbeschränkungen
  • Vollkommenheitskriterien

Marktformen nach Anzahl der Marktteilnehmer

Quantitativ kann die Abgrenzung von Märkten über die Anzahl der Anbieter oder über die Anzahl der Nachfrager erfolgen. In Kombination bildet sich das Marktformenschema nach Heinrich von Stackelberg. Bei diesem Modell ist lediglich das Monopol und das Monopson als eindeutige Marktform festgelegt. Die übrigen Marktformen sind wegen den Abgrenzungen „wenige“ und „viele“ nicht eindeutig spezifiziert. Dies stellt einen Nachteil des Marktformenschemas dar, den die weiteren Unterscheidungen der Markformen versuchen zu lösen. [2, S.123]

 viele Anbieterwenige Anbieterein Anbieter
viele NachfragerPolypol (Gebrauchtwagenhandel)Oligopol (Discounter)Monopol (Staatl. Lotterie, Deutsche Bahn)
wenige NachfragerNachfrageoligopol (Viele Milchbauern u. wenige Molkereien)Zweiseitiges Oligopol (Wenige Hersteller Kreuzfahrtschiffe u. wenige Reederein)Beschränktes Angebotsmonopol (Lizenzvergabe eines Patents)
ein NachfragerMonopson (Staat kauf Rüstungsgüter)Beschränktes Nachfragemonopol (Umbau von Spezialfahrzeugen für Polizei)Zweiseitiges Monopol (Ein Unternehmen stellt Züge her u. Abnehmer ist deutsche Bahn)

Marktformen nach Heinrich von Stackelberg

Marktformen nach Anbieterzahl und Produktbeschaffenheit

Bei der Unterscheidung der Marktformen nach der Anbieterzahl sind zusätzlich die Produktmerkmale homogen bzw. heterogen zu beachten. Homogene Güter  sind Güter, die in den Augen der Konsumenten gleich und austauschbar sind. Hierzu zählen unter anderem Strom, Banknoten, Edelmetalle, Gas oder Benzin mit einer bestimmten Oktanzahl. Bei heterogenen Gütern liegen unterschiedliche Merkmale zwischen den einzelnen Produkten vor. Somit lassen sich Autos beispielsweise einzelnen Herstellern und damit unterschiedlichen Designs oder Qualitätsstandards zuordnen. Diese unterschiedliche Produktbeschaffenheit hat einen Einfluss auf das Nachfrageverhalten und damit auch auf den möglichen Absatz der Unternehmen. [1, S.183]

Marktformen nach Verhaltensweisen

Mit der Unterscheidung der Marktformen nach den Verhaltensweisen wird versucht, die uneindeutige Abgrenzung zwischen „wenige“ und „viele“ in Bezug auf die Anzahl der Anbieter oder Nachfrager im Oligopol oder Polypol zu überwinden. Gemäß der drei Grundformen Monopol, Oligopol und Polypol wird auch hier zwischen drei Verhaltensweisen unterschieden:

  • Monopolistisches Verhalten:

Ein Anbieter erwartet, dass sein Absatz nur vom Verhalten der Nachfrager und seiner eigenen Angebotspolitik abhängt. Einflüsse durch Konkurrenz und deren Entscheidungen werden nicht berücksichtigt. So gibt es auch Quasi-Monopole wie das von Google bei den Suchmaschinen in Deutschland. Zwar gibt es auch andere Suchmaschine, doch Google verfügt in Deutschland über 95% Marktanteil und übt damit eine marktbeherrschende Stellung aus.

  • Oligopolistisches Verhalten:

Bei dieser Verhaltensform erwarten Unternehmen, dass der Absatz durch das Verhalten der anderen Anbieter beeinflusst wird. Neben der eigenen Angebotspolitik spielt auch die Angebotspolitik der Konkurrenz eine große Rolle, woraus ein Konkurrenzkampf – auch oligopolistische Reaktionsverbundenheit genannt – entstehen kann.

  • Polypolistisches Verhalten:

Aufgrund der Vielzahl der Marktteilnehmer wird zwar die Abhängigkeit des Absatzes vom eigentlichen Verhalten der Konkurrenz wahrgenommen, aber nicht besonders stark gewichtet. Die Reaktion auf Veränderungen durch die Vielfalt des Angebotes resultiert in einer geringen, gegenseitigen Beeinflussung.

Die Abgrenzung der Marktformen nach den Verhaltensweisen umgeht zwar in den meisten Fällen die quantitative Definition der Anbieter, allerdings beruhen die Einschätzungen ausschließlich auf subjektiver Wahrnehmung der einzelnen Marktteilnehmer. [1, S.184]

Marktformen nach Wettbewerbsbeschränkung

Märkte werden zudem oft nach Wettbewerbsbeschränkungen eingeteilt, damit entsprechende Modelle in Verbindung mit der Realität gebracht werden können. Nachfolgend sind die möglichen Unterscheidungen aufgelistet [1, S.185f]:

  • offene Märkte
  • geschlossene Märkte
  • kartellierte Märkte (mit privaten Wettbewerbsbeschränkungen)
  • wettbewerbliche Märkte (ohne private Wettbewerbsbeschränkungen)
  • staatlich regulierte Märkte

Marktformen nach Vollkommenheit

Märkte lassen sich neben den zuvor dargestellten Einteilungsmöglichkeiten auch nach dem Vollkommenheitskriterium einordnen. Wie zu Beginn dargestellt, ist der vollkommene Markt eine der beiden Ausprägungsformen.

Als Modell für die Analyse von Angebot und Nachfrage liefert der vollkommene Markt wichtige Erkenntnisse für das Verständnis des Marktverhaltens. Damit von einem vollkommenen Markt gesprochen werden kann, müssen folgende Rahmenbedingungen zwingend erfüllt werden:

Ist nur eines der obigen Kriterien nicht erfüllt, wird von einem unvollkommenen Markt gesprochen. In der Realität ist die Erfüllung aller Rahmenbedingungen sehr unwahrscheinlich, weshalb der vollkommene Markt auch als idealer Markt betitelt werden kann. Am ehesten gelten die Wertpapierbösen als vollkommene Märkte. Typische Beispiele für unvollkommene Märkte sind dagegen der Immobilienmarkt, der Arbeitsmarkt oder der Markt für Gebrauchtfahrzeuge.

Warum ist die Preisbildung auf dem vollkommenen Markt so wichtig?

In der Theorie herrscht auf einem vollkommenen Markt grundsätzliche eine vollständige Konkurrenz. Somit liegt die Marktform Polypol vor, die besagt, dass viele Anbieter vielen Nachfragern gegenüberstehen.

Preisbildung bei Angebot und Nachfrage

Durch die hohe Konkurrenz am Markt, hat ein einzelner Anbieter keine Chance, den Absatzpreis losgelöst vom Marktgeschehen zu bestimmen. Das Kaufverhalten der Nachfrager wird nämlich nicht von persönlichen Präferenzen geleitet. Das einzige Kaufkriterium auf dem vollkommenen Markt ist der Preis.

Die Preisbildung auf dem vollkommenen Markt lässt sich insbesondere als Grundlage zur Ermittlung des Marktgleichgewichtes einsetzen. Bei diesem Modell wird angenommen, dass ein sinkender Preis zum Anstieg der Nachfrage nach einem Produkt führt. Gleichzeitig verringert sich das Angebot bei einem sinkenden Preis.

Zur Ermittlung des Marktgleichgewichtes werden Angebot und Nachfrage in Abhängigkeit zum Preis als Funktion dargestellt. Der Gleichgewichtspreis bzw. die Gleichgewichtsmenge liegen im Schnittpunkt der beiden Funktionen.

Aufgrund der Markttransparenz und der vollständigen Konkurrenz ist es einem Anbieter nicht möglich, einen Preis über dem Gleichgewichtspreis zu verlangen, da er ansonsten alle Kunden an die Mitbewerber verliert. Ebenso kann ein Nachfrager nicht günstiger als den Gleichgewichtspreis einkaufen, da auf dem Markt kein entsprechendes Angebot besteht. [1, S. 187-234]

Zur Vertiefung ist das Erklär-Video zur Preisbildung auf dem vollkommenen Markt von Modulearn auf YouTube zu empfehlen.

Quellenhinweis zum vollkommenen Markt

1. Piekenbrock, D.; Hennig, A. (2013): Einführung in die Volkswirtschaftslehre und Mikroökonomie. Heidelberg: Springer Gabler

2. Seidel, H.; Temmen, T. (2005): Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. Troisdorf: Bildungsverlag EINS GmbH