Inflation und Deflation sind die Feinde der Geldwertstabilität. Sie gilt als das zentrale Ziel des europäischen Systems der Zentralbanken. Dabei wird angestrebt die Kaufkraft des Geldes zu erhalten, indem die Inflation in Europa auf ein Minimum beschränkt wird. Die europäische Zentralbank versucht dabei, die jährliche Inflation unter 2% zu halten. (Quelle: https://www.gabler-banklexikon.de/definition/geldwertstabilitaet-58274) Aber selbst 2% Inflation führen zu einem regelmäßigen Kaufkraftverlust.

Inflation als wichtigste Kennzahl der Zentralbanken

Unter Inflation versteht man die Verminderung der Kaufkraft des Geldes. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der Nachfrageinflation und der Angebotsinflation. Bei der Nachfrageinflation ist die Nachfrage größer als das Angebot von Produkten. Dies hat zur Folge, dass das Angebot verknappt ist und dadurch die Unternehmen höhere Preise für ihre Produkte verlangen können. Die Kaufkraft des Geldes wird dadurch vermindert.

Unter einer Angebotsinflation versteht man den allgemeinen Anstieg des Preisniveaus. Dieser resultiert meistens aus gestiegenen Unternehmenskosten wie z.B. Material- oder Personalkosten, die dann an den Verbraucher weitergegeben werden. Allerdings kann auch die Gewinnmaximierung von Unternehmen ein Auslöser für eine Angebotsinflation sein, indem diese ihre Marktmacht ausnutzen und die Preise erhöhen. (Quelle: https://www.weltsparen.de/glossar/inflation/)

Die nachfolgende Grafik zeigt den Kreislauf der Inflation.

Geldwertstabilität – Kreislauf der Inflation

Verlust der Geldwertstabilität

Es gibt aber auch noch einen dritten Grund (neben der hohen Nachfrage oder dem geringen Angebot) für eine Geldentwertung. Eine schwere Inflation erlitt Deutschland 1923, als große Teile der Reparationszahlungen des 1. Weltkriegs durch zusätzlich gedrucktes Geld beglichen wurden. Durch die Inflation wurde die Währung so schwach, dass sie als Zahlungsmittel unzureichend war. In Folge dessen musste eine neue Währung eingeführt werden, damit sich die Wirtschaft wieder erholen konnte. (Quelle: https://www.planet-wissen.de/geschichte/deutsche_geschichte/weimarer_republik/pwiediehyperinflationvon100.html) Auch in der Eurozone steigt die Geldmenge dauerhaft stärker als die Leistungen der Wirtschaft. Da dieser Zustand inzwischen seit 20 Jahren anhält, ist zu befürchten, dass auch die Inflation im Euroraum zukünftig stark steigen wird.

Die nachfolgende Abbildung zeigt die historischen Inflationsraten in Deutschland seit 2000. Die Inflation wird dabei jeweils mit dem Vorjahr verglichen.

Inflationsraten

(Quelle: in Anlehnung an https://www.inflation.eu/de/inflationsraten/deutschland/historische-inflation/vpi-inflation-deutschland.aspx

Wie kann die europäische Zentralbank Einfluss auf die Geldmenge im Markt nehmen?

Um die Preiswertstabilität in Europa besser wahren zu können, bieten sich der Europäischen Zentralbank (EZB) verschiedene Instrumente, mit denen sie auf die Geldmenge Einfluss nehmen kann.

Leitzins

Jede normale Notenbank hat ein Konto bei einer Zentralbank. Damit die Notenbanken Geld erhalten, mit dem sie beispielsweise Kredite vergeben können, müssen sie sich Geld bei der Zentralbank leihen. Diese gibt einen Zinssatz für ihr Geld vor, den man Leitzins nennt. Wenn die EZB ihren Leitzins erhöht, steigern die Notenbanken ebenfalls ihre Zinsen auf Kredite. Dies hat zur Folge, dass weniger Privatpersonen Kredite aufnehmen, wodurch die am Markt verfügbare Geldmenge reduziert wird, so dass die Nachfrage nach Gütern zurückgeht und die Inflation kompensiert werden kann. (Quelle: https://www.infina.at/ratgeber/zinsen/ezb-leitzins/)  Entgegen der Erwartung vieler Ökonomen wird die EZB den Leitzins 2022 (wohl) noch nicht erhöhen. (Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/leitzins-bleibt-bei-null-prozent-ezb-beendet-notkaufprogramm-und-bleibt-trotzdem-auf-dem-gaspedal/27899266.html)

Die amerikanische Zentralbank FED plant allerdings, 2022 ihren Leitzins zur Eindämmung der Inflation erhöhen. (Quelle: https://www.boersen-zeitung.de/fed-beschleunigt-ausstieg-aus-anleihekaeufen-d7fbd932-5dde-11ec-8e21-5c531d98bdaa#:~:text=Zudem%20signalisierten%20die%20US-Währungshüter,nach%20zuvor%200%2C3%25.)

Offenmarktgeschäfte

Die EZB hat außerdem die Möglichkeit, Offenmarktgeschäfte mit den Staaten durchzuführen. Das bedeutet, dass sie Staatsanleihen entweder von Staaten kauft oder an Staaten verkauft. Durch den Kauf erhalten die Staaten Geld, wodurch die Geldmenge im Wirtschaftssystem steigt. Dies hat wiederum zur Folge, dass die Inflation verstärkt wird. Beim Verkauf von Staatsanleihen an die Staaten müssen die Staaten Geld zahlen, so dass die Geldmenge im Wirtschaftssystem sinkt. Die Staaten können diese Anleihen dann wiederum an Privatpersonen verkaufen. Der Inflation wird so entgegengewirkt. (Quelle: https://www.rechnungswesen-verstehen.de/lexikon/offenmarktgeschaefte.php)

Mindestreserve

Des Weiteren gibt es eine Mindestreserve, die die Notenbanken der Länder bei ihren jeweiligen Zentralbanken halten müssen. Die Mindestreserve gilt für alle Einlagen der Notenbanken zu einem bestimmten Prozentsatz. Durch die Regulation des Mindestreserveanteils lässt sich auch die im Markt befindliche Geldmenge regulieren und damit die Inflation beeinflussen. (Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/mindestreserve-40171)

Forward Guidance

Forward Guidance ist seit 2013 eine neue Methode der Einflussnahme auf die Geldpolitik. Die Idee dahinter besteht darin, lediglich den zukünftigen Umgang mit den geldpolitischen Instrumenten anzukündigen. So kann zum Beispiel durch Ankündigung einer Leitzinserhöhung noch vor der Erhöhung zusätzliche Liquidität am Markt geschaffen werden. (Quelle: https://www.nbb.be/de/monetary-policy/monetary-policy-instruments/forward-guidance)

Ständige Fazilitäten

Die Notenbanken können außerdem Anlagen bei der zuständigen Bundesbank zum Zinssatz der Einlagefazilität anlegen. Dadurch können die Notenbanken kurzfristige Zinserträge gewinnen. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, mit einem Spitzenrefinanzierungskredit kurzfristige Liquidität bei den Notenbanken zu erlangen. Die Zinsen berufen sich auf den Tag, an dem die Inanspruchnahme der sogenannten „Übernachtkredits“ stattfindet. (Quelle: https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/geldpolitik/staendige-fazilitaeten/staendige-fazilitaeten-602400)

Deflation, das Gegenteil der Inflation

Bei einer Deflation handelt es sich um das Gegenteil einer Inflation, nämlich das Absenken des Preisniveaus. Gründe für eine Deflation sind eine geringere Nachfrage oder eine geringere Geldmenge am Markt. Dies kann dadurch zustande kommen, dass Unternehmen aufgrund gesättigter Märkte die Preise senken oder dass sich die Geldmenge durch die EZB aufgrund einer geldpolitischen Maßnahme verringert.

Bei einer Deflation kann es auch zu einem Kreislauf kommen, der die negativen Effekte verstärkt. Zunächst fällt die Nachfrage aufgrund der geringeren Geldmenge am Markt. Dies hat zur Folge, dass die Preise sinken, wodurch die Unternehmen ihre Arbeitskräfte nicht mehr so gut bezahlen können. Daraufhin kommt es zu Entlassungen oder sogar zu Insolvenzen und Lohnkürzungen, wodurch wiederum die Nachfrage sinkt. (Quelle: https://www.tagesgeldvergleich.net/tagesgeld-lexikon/deflation.html)

Die folgende Grafik verdeutlicht die Spirale einer Deflation.

Geldwertstabilität – Kreislauf der Deflation

Ein bekanntes Beispiel für eine starke Deflation liefert Griechenland im Jahr 2013. Aufgrund der hohen Staatsverschuldung war das Land durch die EU dazu gezwungen, ein striktes Sparprogramm einzuhalten, wodurch eine Deflation zu beobachten war. (Quelle: https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deflation-preise-in-griechenland-fallen-so-stark-wie-nie-a-937991.html)